Frischer Stoff für eifrige Gesundheitspolitiker

Wenn wir die Gesundheits-Debatten im angelsächsischen Raum einmal mehr zum Vorbild nehmen, dann zanken wir bald über zwei neue Vorschriften: Erstens ein Verbot des Kopfballs im Fussball. Zweitens eine Sondersteuer für Süssgetränke.

, 16. Juli 2015, 06:57
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Es ist eine Idee, die derzeit mit vollem Ernst in den USA diskutiert wird: nämlich ein Kopfballverbot bei Fussballspielen. Dazu gibt es mittlerweile eine «Safer Soccer Campaign», lanciert von einem Sportmediziner-Verband; der Kampagne haben sich diverse Gesundheitsorganisationen angeschlossen, aber auch Fussballerinnen des US-Nationalteams.

#NoHeaderNoBrainer

Ein erstes konkretes Ziel ist es, dass der Kopfball bis 2017 im Jugend-Soccer als «Foul» gilt. Die entsprechenden Aktionen sind angelaufen, inklusive einer Social-Media-Kampagne unter dem pfiffigen Schlagwort #NoHeaderNoBrainer.
Die Begründung: Das Kopfballspiel – beziehungsweise danach resultierende Stürze – seien Hauptgrund für Gehirnerschütterungen und Schädel-Hirn-Traumata im Fussball. In den USA gingen jedes Jahr rund rund 30'000 Fälle darauf zurück.
Allerdings funkt da jetzt eine Untersuchung dazwischen, welche mehrere Pädiater im  «Journal of the American Medical Association» veröffentlicht haben. Die Daten zeigen, dass keineswegs das Kopfballspiel selber die Hauptursache für verletzte Schädel ist – sondern es ist, wie jeder TV-Fussballfreund ahnt, der Kopf-an-Kopf-Zusammenprall.

Je mehr Fussball, desto mehr Erschütterungen

Angeheizt wird die Debatte, weil die steigende Popularität des Fussballs einerseits, ein gewisser Trend zur Härte andererseits diese Sportart ins Visier der US-Gesundheitswächter gebracht haben. Bei den weiblichen Athletinnen wird Fussball mittlerweile als zweithäufigste Ursache für Hirnerschütterungen genannt.
Der zweite Vorschlag zur Gesundheitserziehung kommt aus Grossbritannien. Dort forderte die British Medical Association in dieser Woche, dass auf zuckerhaltige Soft Drinks eine Extrasteuer erhoben werden soll – und zwar gleich um 20 Prozent.

Raus aus dem Zucker, rein ins Gemüse

Das Geld solle quasi als Lenkungsabgabe verwendet werden: Die Einnahmen aus den Zuckerwassern sollen zur Subventionierung gesunder Nahrungsmittel eingesetzt werden, wobei die BMA Gemüse und frische Früchte als zu bevorzugende Beispiele nennt.
Der Ärzteverband schätzt, dass wegen zweifelhafter Ernährung jedes Jahr etwa 70'000 Menschen zu früh sterben – und dem Zucker werden bekanntlich eine ganze Reihe volksgesundheitlicher Probleme angelastet, von Karies über Diabetes 2 bis zu Adipositas.
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