Diskriminierung? Insel Gruppe soll strenger beaufsichtigt werden

Der Prozess-Sieg der ehemaligen Oberärztin Natalie Urwyler hat nun politische Weiterungen.

, 28. Februar 2018 um 13:11
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Das Inselspital hat das Gleichstellungsgesetz verletzt, als es im Sommer 2014 die Anästhesieärztin Natalie Urwyler entliess: Zu diesem Befund kam das Regionalgericht Bern-Mittelland; seit letzter Woche liegt die Urteilsbegründung vor, und wie sich nun zeigt, wird dieser Fall noch weitere Wellen werfen.
So bringt die Präsidentin der SP im Kanton Bern nun eine Interpellation ins Kantonsparlament: Ursula Marti fordert vom Regierungsrat, seine Aufsichtspflicht gegenüber dem Inselspital verstärkt wahrzunehmen, wenn es um die Einhaltung von Gleichstellungsgesetz und Diskriminierungsverbot gehe.

«Hypothek für den ganzen Kanton»

Der Fall müsse «zum Politikum werden», sagte Marti gegenüber «Berner Zeitung» und «Bieler Tagblatt»: «Mich erinnert der Umgang mit Natalie Urwyler sehr an die Art und Weise, wie die Insel vor einem Jahr den Pflegebereich aus der Konzernleitung verbannen wollte». Denn zurück bleibe der Eindruck, dass man am Inselspital bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen nicht wahrhaben wolle.
Und es folgt noch ein Parlaments-Vorstoss zum Fall: Grossrätin Natalie Imboden (GP) will von der Kantonsregierung wissen, wie sie sicherstellen wolle, dass der verfassungsmässige Auftrag der Gleichstellung in der «Insel» auf allen Hierarchiestufen umgesetzt werde. Dass Urwyler zur Klage greifen musste, nannte Imboden als «Hypothek für den ganzen Kanton».

Eine Ärztin als Identifikationsfigur

Natalie Urwyler sei damit «auf dem besten Weg, zur Identifikationsfigur für die Förderung von Frauenkarrieren in der Medizin zu werden», kommentiert die BZ dazu. Urwyler war Oberärztin an der Klinik für Anästhesiologie und Schmerztherapie des Inselspitals, als sie im 2014 entlassen wurde – wegen eines «gestörten Vertrauensverhältnisses». Zuvor hatte sie die Männerherrschaft und den mangelnden Mutterschutz intern kritisisiert.
Rund 80 Prozent der 8200 Stellen am Inselspital (FT) sind von Frauen besetzt. An der Spitze ist der Frauenanteil jedoch überaus dünn: 

  • Im Verwaltungsrat der Insel Gruppe sind zwei Frauen – bei acht Mitgliedern.
  • In der siebenköpfigen Direktion sitzt derzeit keine Frau.
  • Auf Stufe Klinikdirektoren und Chefärzte beträgt der Frauenanteil 10 Prozent, recherchierte die «Berner Zeitung». 
  • betrachtet man schliesslich alle Kaderärzte – genauer: «alle ärztlichen Funktionen ab Stufe leitender Arzt» –, so beträgt der Frauenanteil laut Inselspital 20 Prozent.

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