Der Spitalpräsident als Unternehmer

Insel-Präsident Joseph Rohrer gerät wegen eines Projekts seiner eigenen Firma in Kritik.

, 17. Juni 2015, 10:58
image
Joseph Rohrer ist ein engagierter Gesundheits-Unternehmer. Der Verwaltungsratspräsident des Inselspitals leitet das Beratungsunternehmen JBR HealthCare Group, und er präsidiert die Praxis Gruppe Schweiz AG (PGS). Das Unternehmen mit Sitz in Baar betreibt derzeit 21 Arztpraxen zwischen St. Gallen im Osten und Biel im Westen.
Aus der Mehrfach-Rolle könnte jetzt ein Konflikt erwachsen. Wie die «Berner Zeitung» berichtet, plant die PGS eine Gruppenpraxis in Köniz zu übernehmen. Damit könnte das Baarer Unternehmen in eine gewisse Konkurrenz zum Inselspital geraten.
Denn die Localmed Aare AG plant ebenfalls ein Ärztezentrum im Köniz – und diese Gruppenpraxis-Kette ist eine 50-Prozent-Tochter des Inselspitals.

Wer kriegt den Patientenstamm?

«Das Doppelspiel des Insel-Präsidenten», titelt also Berns grösste Zeitung, und sie verweist darauf, dass die Localmed Aare den Auftrag für den Aufbau eines Zentrums in Köniz vom CEO des Inselspitals persönlich erhielt. «Aus gut unterrichteten Quellen erfuhr diese Zeitung, dass Baumann wenig Verständnis für die privaten Pläne seines Präsidenten hat, was er aber gegenüber dieser Zeitung bestreitet», schreibt die BZ weiter.
Der Konflikt liegt stark auch darin begründet, dass beide am Patientenstamm der umworbenen Könizer Praxis interessiert sind – PGS wie Localmed Aare. Kommt hinzu, dass Inselpräsident Rohrer in beide Köniz-Konkurrenzpraxen Einblick hätte: in das Ärztezentrum von Localmed Aarau wie in jenes vom PGS.
Die «Berner Zeitung» kommentiert denn recht deutlich: «Rohrer befindet sich mit seinem Privatengagement in Köniz in einem Interessenkonflikt, der kaum zu vereinbaren ist mit seinem Posten als Präsident des Inselspitals.»

Die Schliessung wäre eine schlechtere Alternative

Der Kritisierte sieht aber gar keinen Interessenkonflikt. Laut Joseph Rohrer geht es primär darum, für die derzeitige Könizer Praxis eine Nachfolgelösung zu finden: «Zwei Hausärzte haben meine Firma, die Praxis Gruppe Schweiz AG, ersucht, für ihre Praxis eine geeignete Nachfolgeregelung zu finden.» Dabei gehe es um die Sicherung der Versorgung in diesem Bereich von Köniz. «Die Schliessung der Praxis wäre für die Anwohner an der Peripherie von Köniz eine schlechte Alternative.» 
Von einer Konkurrenzierung der Localmed Aare könne deshalb keine Rede sein, sagt Rohrer.
Die Gegenseite widerspricht: «Das Vorhaben der Praxis Gruppe Schweiz ist eine Konkurrenz für das Projekt der Localmed Aare AG, denn die besagte Gruppenpraxis liegt sehr wohl im Zentrumsperimeter von Köniz», sagte Daniel Flach, Geschäftsführer der Localmed Aare, zur BZ.

  • «Das Doppelspiel des Insel-Präsidenten», in: «Berner Zeitung», 17. Juni 2015«Das Doppelspiel des Insel-Präsidenten», in: «Berner Zeitung», 17. Juni 2015
  • Biographie von Joseph Rohrer

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Spital korrigiert falsche Aussagen zu Chefarzt-Kündigung

Ist der Chefarzt Gregor Lindner nun krank oder nicht? Die Pressestelle des Bürgerspitals Solothurn zieht plötzlich Aussagen zu dessen Kündigung zurück.

image

Sauter: «Wir müssen grossräumiger denken»

Spitäler in den Randregionen brauchen eine neue Funktion. Das meint die neue Hplus-Präsidentin Regine Sauter.

image

Notfallmediziner erwarten Kollaps und schlagen schweizweit Alarm

Covid, Grippe und RSV: Die Notfallstationen sehen sich in diesem Winter mit Bedingungen konfrontiert, die sie an den Rand des Kollapses bringen könnten.

image

Direktor Peter Hösly übergibt den Stab an Simone Weiss

Am Sanatorium Kilchberg kommt es zu einem Führungswechsel: Nach 16 Jahren gibt Peter Hösly seinen Chefposten an der Privatklinik für Psychiatrie ab.

image

Spitaldirektorin will in den Nationalrat

Franziska Föllmi-Heusi vom Spital Schwyz ist als Kandidatin für die Nationalratswahlen nominiert.

image

Eklat am Unispital Zürich: Das sagt der Spitalrat zu den Vorwürfen im Fall Clavien

Der Star-Chirurg Pierre-Alain Clavien fühlt sich vom USZ rausgeschmissen. Nun reagiert André Zemp, Spitalratspräsident, auf dessen Vorwürfe.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.