«Das Spital in seiner heutigen Form ist ein Auslaufmodell»

Der Präsident des Kantonsspitals Baselland äussert klare Kritik an wichtigen Trends im Gesundheitswesen.

, 26. Juli 2015, 20:57
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Für ihn als Aussenstehenden sei es bald klar gewesen, «dass die Spitallandschaft in der Nordwestschweiz nicht nachhaltig ist»: Dies sagte Werner Widmer, der Präsident des Kantonsspitals Baselland, in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag». 
Widmer hatte im Frühjahr 2014 das höchste Amt des Kantonsspitals übernommen und ist heute eine treibende Kraft hinter der geplanten Zusammenführung von KSBL und Unispital Basel.
Man sei sich schon beim ersten Treffen der neuen Spitzen zwischen KSBL und Unispital Basel rasch einig gewesen, dass eine gemeinsame Zukunft für beide Seiten attraktiver sei, verriet Widmer jetzt im Sonntags-Interview.

«...dann hätte es uns verjagt»

Seine Diagnose: Es gibt zu viele Betten in der Region. Zudem könnten in der modernen Medizin immer mehr Leistungen ambulant erbracht werden. «Das Spital in seiner heutigen Form ist eher ein Auslaufmodell», lautet denn ein Fazit von Widmer. Der Ökonom verweist dabei auf die Lage in Amerika und Deutschland, wo bereits viel mehr Eingriffe ambulant erfolgen.
Nun sei aber ein Bettenabbau beziehungsweise die Verlagerung von stationär zu ambulant viel einfacher umzusetzen, wenn die Masse grösser ist: «Darum macht eine gemeinsame Spitalgruppe Sinn.»
Kommt hinzu, dass das Kantonsspital die nötige Summe für den anstehenden Neubau im Bruderholz und die Renovation des Spitals in Liestal kaum hätte aufbringen können; rund 450 Millionen würden dafür benötigt. «Billiges Geld hätten wir jetzt zwar von den Banken erhalten, aber wenn die Zinsen wieder ansteigen, dann hätte es uns "verjagt"», so die klare Aussage im Interview.

Nacht- und Wochenend-Dienste fallen weg

Implizit äusserte Widmer deutliche Kritik an den gängigen Entwicklungen in der Branche. Es mache bei den heutigen Überkapazitäten keinen Sinn, Strukturen auszubauen – aber fast jedes Spital in der Schweiz «plant mit mehr Patienten und will die Bettenzahl erhöhen, um mehr Einnahmen zu generieren. Das Volk wird aber nicht in diesem Ausmass kränker. So steigt der Druck auf die Ärzte, Leute zu operieren, die es nicht nötig hätten.»
Eher beruhigende Worte richtete der KSBL-Präsident – wohlweislich – an das offenbar beunruhigte Personal des Kantonsspitals. Die beruflichen Möglichkeiten würden bei der geplanten Kooperation mit dem USB ja attraktiver. «Durch die Verlagerung von stationär zu ambulant gibt es nicht weniger Patienten. Die Ärzte werden neben ihrer Tätigkeit in Liestal oder Basel tageweise in der Tagesklinik auf dem Bruderholz arbeiten. Dort können sie die ambulanten Operationen durchführen – ungestört vom Notfallbetrieb.»
In der Tagesklinik profitiere auch das OP-Personal stark, weil dort Nacht- und Wochenenddienste wegfallen. «Insgesamt wird ja im schweizerischen Gesundheitswesen eine Personalknappheit befürchtet. Die Angestellten müssen sich also keine Sorgen machen. Niemand wird auf die Strasse gestellt.»
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