Spitalfusion: Privatspitäler wittern Widersprüche

In Basel und Baselland monieren die Kantonsbehörden Überkapazitäten in der Orthopädie. Andererseits planen sie ein Orthopädie-Zentrum im Bruderholz. Ob das wohl wettbewerbsneutral ausgeht?

, 19. September 2016, 08:00
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Der Verdacht ist naheliegend: Durch die Zusammenlegung von KSBL und USB entsteht in der Nordwestschweiz ein staatlicher Spitalriese, der im Notfall auch staatlich ge- und unterstützt werden muss. Bei der Präsentation ihrer Pläne wandten sich die Gesundheitsdirektoren Lukas Engelberger (BS) und Thomas Weber (BL) allerdings mehrfach gegen den Verdacht der aufgegleisten Verzerrung – Ziel sei es, sich so wenig wie möglich in den Wettbewerb zwischen privaten und öffentlichen Spitälern einzumischen.
Ist der Verdacht also falsch? Die Privatspitäler sind sich da offenbar nicht ganz sicher. Der Präsident der Basler Privatspitäler-Vereinigung, Martin Birrer, verwies nun in der Zeitung «Schweiz am Sonntag» (Print) auf Widersprüchlichkeiten: Einerseits planten die Regierungen von Baselland und Basel-Stadt auf dem Standort Bruderholz ein neues Orthopädiezentrum. Andererseits beklagten die Behörden just in diesem Bereich Überkapazitäten – versehen mit dem Vorwurf, die privaten Anbieter würden zu viele Eingriffe vornehmen.

Zeitlicher Zufall?

Vor allem: Just parallel zum Entscheid in Sachen Bruderholz untersucht die Basler Verwaltung gewisse Therapien bei Privatspital-Patienten. Dabei solle herausgefunden werden, ob in der Merian Iselin Klinik zu viele Operationen durchgeführt werden. 
Thomas von Allmen, Leiter Spitalversorgung Basel-Stadt, erklärt dies in der «Schweiz am Sonntag» damit, dass man auf die «seit Jahren gestiegenen» Fallzahlen in der Region reagiert habe; «nach längerer Vorlaufzeit» führe man die Untersuchung ab Herbst durch.
Dem Vorwurf, man stelle die Privatspitäler unter Generalverdacht, widerspricht Thomas von Allmen: Die Studie könne ja auch ergeben, dass die Ärzte an der Merian-Iselin-Klinik nur operieren, wenn dies tatsächlich nötig sei.
Der Verdacht der vorausschauenden Bevorzugung der Bruderholz-Orthopädie wurde bereits im Mai angeheizt. Damals lehnte die Basler Gesundheitsdirektion einen Antrag der Merian Iselin Klinik ab; sie wandte sich gegen den Antrag, eine Notfallstation für einfachere orthopädische und traumatologische Fälle einzurichten. Begründung: Eine Notfallstation müsse sämtliche Notfälle aufnehmen – und nicht nur Knochenbrüche.
Dies, nachdem die Behörden – wie die BaZ erfuhr – in den Monaten davor noch Zustimmung signalisiert hatten, da der Unispital-Notfall überlastet ist und im Basler Claraspital die Orthopädie aus dem Notfall-Angebot verschwindet.
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