Barmelweid: Interessenkonflikt mit Folgen

Das BAG reagiert: Wer Geld aus dem Tabakpräventionsfonds will, kann keine Chefs haben, die auch mit der Tabakbranche verbandelt sind.

, 30. September 2016, 10:04
image
  • barmelweid
  • prävention
  • kanton aargau
  • politik
  • tabak
Die Lungenklinik Barmelweid ist auch in der Nikotinprävention tätig. Zugleich steht an ihrer obersten Spitze Daniel Heller. Der Verwaltungsratspräsident wiederum arbeitet hauptamtlich für die Kommunikationsagentur Farner. Und diese wiederum arbeitet auch für die Tabakindustrie, zum Beispiel für Philipp Morris.
Das Verhältnis war im Frühjahr von den Medien aufgegriffen und danach teils kritisiert worden. Die Barmelweid-Spitze wiederum stellte sich auf den Standpunkt, dass die Farner-Aufträge niemals Einfluss hatten auf die professionelle Tätigkeit der Klinik.

Fragekatalog mit vier Punkten

Beim Bundesamt für Gesundheit sieht man das offenbar etwas enger. Denn der Tabakpräventionsfonds – welcher beim BAG angesiedelt ist – pocht nun auf eine striktere Trennung der Verhältnisse: Wenn eine Organisation Fördermittel aus dem Fonds beantragt, muss sie ab sofort in einem Fragekatalog nachweisen, dass sie und ihre leitenden Angestellten nicht mit der Tabakindustrie verbunden sind.
Die «Aargauer Zeitung» meldete dies heute unter dem Titel «Bund reagiert auf Affäre Heller»

«Leider nicht zielführend»

Der Tabakpräventionsfonds selber erklärt die neue Formularpflicht etwas allgemeiner: «Bislang mussten die Gesuchstellerinnen und Gesuchsteller mittels Unterschrift auf dem Gesuchsformular ihre Unabhängigkeit von der Tabakindustrie bestätigen. Diese Vorgehensweise hat sich leider nicht als zielführend erwiesen.» Denn jüngst hätten die Medien mehrere Fälle von Interessenkonflikten aufgedeckt, «so auch bei Akteuren der Tabakprävention».
Wer also künftig Geld aus dem eidgenössischen Antitabak-Topf will, muss mit seiner Unterschrift bezeugen, in den letzten fünf Jahren keine Honorare und keine finanzielle Unterstützung von der Tabakbranche «und deren Lobby-Organisationen» bezogen zu haben. 

30'000 Franken vom Bund

Für die Klinik Barmelweid hat dies konkrete Folgen. Wie die «Aargauer Zeitung» vorrechnet, bezog das Haus zwischen 2008 und 2014 Fördergelder von über 30'000 Franken aus dem Fonds. Damit ist nun Schluss. Geld zurückzahlen muss die Klinik jedoch nicht, erfuhr die «Zentralschweiz am Sonntag».
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Medikamente: Bund senkt Preise, spart aber nur halb so viel wie zuvor

2020 bis 2022 rechnet das BAG wegen der Senkung von Arzneimittelpreisen mit Einsparungen von über 250 Millionen Franken. 2017 bis 2019 war es deutlich mehr.

image

Lobbywatch entschuldigt sich bei Gesundheitspolitikerin

Ruth Humbel lasse sich zu hundert Prozent als Lobbyistin bezahlen, kritisierte eine Organisation – zu Unrecht, wie sich herausstellte.

image

Keine Empfehlung: Die GDK verzichtet auf Covid-Massnahmen

Heute hat sich der Vorstand der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren auch mit der epidemiologischen Lage befasst.

image

Gewalt an Kindern: «Jetzt braucht es ein Gesetz»

Schläge, Beschimpfungen oder Liebesentzug – in der Schweiz erlebt fast jedes zweite Kind zu Hause Gewalt. Der Kinderschutz fordert Massnahmen vom Bund.

image

Seltene Krankheiten: Bund gerät wegen Krankenkassenrevision unter Druck

Das BAG will die Spielregeln ändern und nur noch Medikamente bezahlen, für die es Placebo-Studien gibt. Dagegen wehren sich 21 Organisationen.

image

Wer macht die beste Medizin und wie erfährt das der Patient?

Teuerung, höhere Löhne und Energiekrise: ein toxischer Mix für die Spitäler, die bessere Erträge erzielen wollen. Gute Qualität einfach zu vermitteln, könnte den Unterschied ausmachen.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.