Das Wunder am CHUV: Sein Herz schlägt wieder selbst

Ein Jahr lang lag ein kleiner Junge auf der Kinderintensivstation des CHUV. Dank einer Operation braucht er kein neues Herz.

, 26. Juli 2023 um 14:42
image
Glückliche Gesichter nach gelungener Herz-Rettung: (von links nach rechts) Sylvain Mauron, Anästhesie, Guillaume Besse, Mitarbeiter der Firma Berlin Heart, Marie-Hélène Perez, Chefärztin in der Kinder-Intensivstation, Fabrizio De Ritta, Kinderherzchirurg, Reza Hosseinpour, Chefarzt Kinderherzchirurgie, Stefano Di Bernardo, Chefarzt Kinder-Herzmedizin und Philipp Zrunek von Berlin Heart. | zvg
Die Geschichte begann traurig: Im Alter von drei Jahren kam letzten Sommer ein Junge zur Behandlung einer Krebserkrankung ins Lausanner Universitätsspital (CHUV). Einige Wochen nach seinem Spitalaufenthalt begann sein Herz wegen einer Infektion schwächer zu werden.

An die Herzmaschine angeschlossen

Wegen der Krebsbehandlung konnte das Kind nicht auf die Warteliste für eine Herztransplantation gesetzt werden. Deshalb erhielt der Junge eine maschinelle Herzunterstützung. Ein externes Gerät wurde angeschlossen.
Das Team der Kinderherzchirurgie des CHUV operierte das Kind ein erstes Mal, um dieses Gerät an beiden Herzkammern anzubringen. Mit dem Gerät konnte das Herz des Jungen im Hinblick auf eine mögliche Transplantation geschont werden.

Risiko Blutgerinnsel

Eine ernste und leider häufig auftretende Komplikation im Zusammenhang mit diesem Herzunterstützungsgerät sind Blutgerinnsel, die zu einem Schlaganfall führen können. «Je länger das Gerät implantiert ist, desto grösser ist das Risiko», erklärt Marie-Hélène Perez, Chefärztin und Leiterin der pädiatrischen Intensivstation des CHUV.

Plötzlich erholte sich das Herz

Einige Monate nach dem Anschluss an die Maschine gab es Anzeichen für eine Erholung des Herzens. «Während eines Kontroll-Ultraschalls sah ich, dass sich ein Wettstreit zwischen dem Herzen und der Maschine entwickelte. Ab diesem Zeitpunkt kam mir die Idee einer Entwöhnung von der Unterstützung ohne Transplantation», erklärt Stefano Di Bernardo, Kinderkardiologe und Chefarzt der Abteilung für Pädiatrie am CHUV.
Fortan folgte das Team strengen Regeln, um den Herzmuskel mithilfe eines Medikaments zu unterstützen, die Herzkontraktionen zu stärken und das Herz darauf vorzubereiten, selbstständig zu funktionieren.

Noch nie zuvor versucht

«Wir haben beschlossen, die Maschine zu entfernen und das Herz zu erhalten», erklärt Reza Hosseinpour, Chefarzt und Kinderherzchirurg am CHUV. Dies war in Lausanne noch nie zuvor versucht worden und ein riskantes Vorhaben.
Die Maschine musste so sorgfältig von beiden Herzkammern entfernt werden, dass das vorhandene Gewebe nicht beschädigt wurde. Normalerweise ist diese Sorgfalt nicht nötig, weil das Gerät entfernt wird, um ein neues Herz zu transplantieren.

Mit Spezialist aus England

Ein Spezialist aus Newcastle (England), Fabrizio De Rita, der mit diesem Eingriff vertraut ist, begleitete die Operation. Die Operation dauerte einen ganzen Vormittag und war erfolgreich. Das Kind konnte die Intensivstation nur wenige Tage nach der Operation verlassen und einen Monat später nach Hause zurückkehren. Da sich auch seine Krebserkrankung bessert, wird er nur noch ambulant im CHUV betreut.
  • spital
  • CHUV
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Spital Samedan prüft Zusammenschluss mit Kantonsspital Graubünden

Die Stiftung Gesundheitsversorgung Oberengadin untersucht zwei strategische Wege in eine nachhaltige Zukunft.

image

Kantonsspital Aarau: Mehr Betten im Neubau

Wegen einer «unverändert hohen Patientennachfrage» plant das KSA nun doch mehr Betten.

image

Hirslanden: Umbau an der Spitze – näher zu den Regionen

Hirslanden-Zürich-Direktor Marco Gugolz zieht als Regional Operations Executive in die Konzernleitung ein.

image

Was geschieht mit dem Spital Thusis?

Die Stiftung Gesundheit Mittelbünden sucht Wege aus der finanziellen Krise – beraten von PwC. Ein Entscheid soll im Herbst fallen.

image

CSEB: «Herausfordernd, aber zufriedenstellend»

Trotz roten Zahlen und leicht rückläufigen Patientenzahlen gibt sich das Center da sandà Engiadina Bassa optimistisch.

image

Spital STS: Hohe Patientenzahlen bewahren nicht vor Verlust

Sowohl stationär als auch ambulant gab es bei der Spitalgruppe Simmental-Thun-Saanenland 2023 einen Zuwachs.

Vom gleichen Autor

image

SVAR: Neu kann der Rettungsdienst innert zwei Minuten ausrücken

Vom neuen Standort in Hundwil ist das Appenzeller Rettungsteam fünf Prozent schneller vor Ort als früher von Herisau.

image

Kantonsspital Glarus ermuntert Patienten zu 900 Schritten

Von der Physiotherapie «verschrieben»: In Glarus sollen Patienten mindestens 500 Meter pro Tag zurücklegen.

image

Notfall des See-Spitals war stark ausgelastet

Die Schliessung des Spitals in Kilchberg zeigt Wirkung: Nun hat das Spital in Horgen mehr Patienten, macht aber doch ein Defizit.