Wie es den Über-50-Jährigen in der Gesundheitsbranche geht

Allen Unkenrufen zum Trotz: Wer Health-Profi ist und älter wird, muss die Arbeitslosigkeit wenig fürchten. Die Branche wäre wohl ein ideales Feld, um Erfahrung und ein höheres Alter zu würdigen und zu nutzen.

, 28. Oktober 2016, 07:17
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Wer über 50 ist, wird diskriminiert. Wer über 50 ist, findet kaum noch einen Job, muss sich oft gar nicht erst melden: Dies sind ja fast schon Allerweltsweisheiten über den heutigen Arbeitsmarkt. Eine Untersuchung aus der Zürcher Volkswirtschaftsdirektion ging nun dieser These nach – und zeichnet doch ein anderes Bild: Es ist weitaus differenzierterer. 
Tendenziell sind ältere Angestellte zum Beispiel keineswegs mehr von Arbeitslosigkeit betroffen. Und vor allem: Es kommt ganz stark drauf an, mit welcher Branche man es zu tun hat.
Das trübste Spielfeld für die Älteren sind die Banken und Versicherungen. Eines der positivsten Beispiele bildet auf der anderen Seite das Gesundheitswesen.
Denn in dieser Branche sind die Arbeitnehmer über 50 Jahre – verglichen mit den Unter-50-Jährigen – stärker vertreten. Anders gesagt: Man stellt dort im Vergleich mehr ältere Mitarbeiter ein, oder aber die Mitarbeiter können länger an Bord bleiben als beispielsweise in der Industrie oder in der Finanzbranche.

Nirgend werden mehr Ältere neu eingestellt

Auf der Gegenseite ist die Arbeitslosigkeit der Über-50jährigen im Gesundheitswesen nicht nur tiefer als bei den Älteren der meisten anderen Branchen, sondern auch im Vergleich zu den Jüngeren in der eigenen Branche.
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Arbeitslosenquote und Anzahl Arbeitslose unter den Menschen über 50 im Kanton Zürich (2014). Quelle | Grafik: AWA Kanton Zürich
Am höchsten ist hier indessen die so genannte Einstellungsrate. Das heisst: Nirgends sonst wurden zwischen 2012 und 2014 – dem Beobachtungszeitraum – so viele ältere Angestellte neu eingestellt wie im Gesundheitsbereich.
Diese Einsicht dürfte natürlich viel mit dem sattsam bekannten Personalmangel zu tun haben: Die Spitäler und Heime können es sich schlicht und einfach nicht leisten, so kaltschnäuzig wie die Finanzbranche auf Menschen eines gewissen Alters zu verzichten.

Ältere springen eher ab

Es gibt aber auch eine Kehrseite: Im Gesundheitswesen fällt auf, dass die Älteren häufiger die Stelle wechseln als die Unter-50jährigen; sie waren am Ende des von den Zürcher Statistikern verfolgten Zeitverlaufs eher seltener noch an derselben Arbeitsplatz als die Jüngeren. 
Dies ist eher abnormal: In den meisten anderen Branchen ist das Verhältnis umgekehrt – die so genannte «Verbleibsquote» ist bei den jüngeren tiefer als bei den älteren. Anders gesagt: Wer jung ist, zieht rascher mal weiter. Wer älter ist, wird eher zum Sesselkleber (und ist eben auch eher darauf angewiesen, zu bleiben). Ausser eben im Gesundheitswesen.

Ausstieg ab einem gewissen Alter

Insgesamt zeigen die Zürcher Daten, dass die Fluktuation in der Gesundheitsbranche allgemein relativ hoch ist – und damit auch die Älteren hier überaus häufig Chancen bekommen, um ihre Stelle wechseln.
Dabei dürfte hineinspielen, dass man beispielsweise im Pflegebereich oft ab einem gewissen Alter den Ausstieg sucht, weil die Tätigkeit körperlich wie psychisch zu belastend wird. Oder anders gesagt: Die Gesundheitsbranche wäre von der Mentalität her zwar ein ideales Feld, um Erfahrung und ein höheres Alter zu würdigen und einzubringen. Die Arbeitsrealität macht aber auch den einen oder anderen Strich dazwischen.
In a Nutshell: Ergebnisse der Zürcher Studie
  • Im Gesundheitswesen werden relativ mehr ältere Leute neu eingestellt als in den meisten anderen Branchen.
  • Im Gesundheitswesen ist die Arbeitslosen-Rate bei Älteren tief – tiefer als bei jüngeren.
  • Menschen über 50 wechseln im Gesundheitswesen häufiger die Stelle. Die Fluktuation ist hier – für diese Generation – sehr hoch.
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