Kantonsspital Aarau: Wie es zum 30-Millionen-Verlust kam

Trotz höherer Patientenzahlen stieg der Umsatz kaum. Doch die Personalkosten kletterten deutlich.

, 13. Juni 2015, 15:57
image
  • spital
  • kanton aargau
  • philip funk
30,8 Millionen Franken: Dies der konkrete Verlust, den das Kantonsspital Aarau für das Jahr 2014 verbucht. Das Ausmass war seit einigen Wochen in etwa bekannt gewesen, Mai kam es wegen der sich abzeichnenden roten Zahlen bereits zu einem politischen Intermezzo im Aargau: Damals forderte die SVP unter anderem den sofortigen Rücktritt von Spitalpräsident Philip Funk.
Jetzt aber ist der Geschäftsbericht 2014 erschienen, und die Ursachen der Minus-Zahlen lassen sich genauer erläutern.

Der Umsatz blieb in etwa gleich

Der Bericht zeigt, dass im letzten Jahr sowohl ambulant (+6,6 Prozent) als auch stationär (+1,3 Prozent) mehr Patienten in Aarau behandelt als im Vorjahr. Wegen einem tieferen CMI erzielte das Kantonsspital damit jedoch tiefere Erträge, insbesondere im stationären Bereich. 
Alles in allem erreichte der Betriebsertrag dann 567,4 Millionen Franken, er lag also ganz leicht über dem Vorjahreswert von 564,6 Millionen Franken.
Auf der anderen Seite aber sah sich das Management des Kantonsspitals gezwungen, wegen der unklaren Tarifsituation höhere Rückstellungen zu bilden. Zudem fielen höhere Investitions- und Personalkosten an.

Mehr Personal – und entsprechend mehr Personalkosten

Konkret: Die Rückstellungen wurden mit 16,5 Millionen Franken veranschlagt. Der Personalaufwand stieg um fast 7 Prozent auf 370 Millionen Franken – womit auch klar ist, dass dies den grössten Kostenblock im Kantonsspital darstellt.
Allerdings erklärt sich dies nicht mit einem Lohndruck, denn die Stellenzahl stieg ebenfalls um knapp 7 Prozent: Die Zahl der Mitarbeitenden am Kantonsspital Aarau lag Ende letzten Jahres bei 4168, wobei 681 Ärzte und Akadamiker waren. Ein Jahr zuvor hatte die Gesamtzahl noch 3902 betragen.
Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen und Zinsen – der EBITDA – war noch leicht positiv, er erreichte 5,3 Millionen Franken.

«Wir sind kein Sanierungsfall»

«Wir sind kein Sanierungsfall», betont denn auch CEO Robert Rhiner. Derzeit läuft in Aarau ein Massnahmenpaket, das die Produktivität verbessern und die Finanzierung nachhaltig sichern soll. Ausserdem wurden verschiedene Investitionsprojekte überdacht. So wurde der Masterplan auf eine längere Zeitschiene gesetzt. 


Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Spital korrigiert falsche Aussagen zu Chefarzt-Kündigung

Ist der Chefarzt Gregor Lindner nun krank oder nicht? Die Pressestelle des Bürgerspitals Solothurn zieht plötzlich Aussagen zu dessen Kündigung zurück.

image

Sauter: «Wir müssen grossräumiger denken»

Spitäler in den Randregionen brauchen eine neue Funktion. Das meint die neue Hplus-Präsidentin Regine Sauter.

image

Notfallmediziner erwarten Kollaps und schlagen schweizweit Alarm

Covid, Grippe und RSV: Die Notfallstationen sehen sich in diesem Winter mit Bedingungen konfrontiert, die sie an den Rand des Kollapses bringen könnten.

image

Direktor Peter Hösly übergibt den Stab an Simone Weiss

Am Sanatorium Kilchberg kommt es zu einem Führungswechsel: Nach 16 Jahren gibt Peter Hösly seinen Chefposten an der Privatklinik für Psychiatrie ab.

image

Spitaldirektorin will in den Nationalrat

Franziska Föllmi-Heusi vom Spital Schwyz ist als Kandidatin für die Nationalratswahlen nominiert.

image

Eklat am Unispital Zürich: Das sagt der Spitalrat zu den Vorwürfen im Fall Clavien

Der Star-Chirurg Pierre-Alain Clavien fühlt sich vom USZ rausgeschmissen. Nun reagiert André Zemp, Spitalratspräsident, auf dessen Vorwürfe.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.