Ein Spital kommt vors Volk

Mehrere Ärzte engagieren sich jetzt politisch dafür, dass das Bruderholz-Spital in Baselland erhalten wird. Sie lancieren eine Rettungs-Initiative.

, 16. September 2015, 08:47
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Es wird immer wahrscheinlicher, dass über das Schicksal des Bruderholz-Spitals in Baselland an der Urne entschieden wird. Bereits Mitte August hatte eine Einzelperson begonnen, einen Initiative zur Rettung des Akutspitals zu lancieren – und jetzt kommt eine zweite Gruppe mit derselben Absicht hinzu.
Dazu wurde der Verein «Ja zum Bruderholzspital» gegründet. Mit dabei sind Heinrich Schaefer, ehemals Arzt am Bruderholzspital und Mitgründer der Schweizer Spitex; Hans Kummer, der von der Gründung 1973 bis 1998 als Chefarzt am Bruderholzspital arbeitete; der Unternehmer Steffen Herbert von der SVP Reinach; Evelyn Herbert, Kinderkrankenschwester am Bruderholzspital; sowie Pascal Lüscher von der SVP Ettingen

«Wir stimmen über jedes Trottoir ab»

Dies meldet die «Basler Zeitung». Im Hintergrund steht, dass die Kantonsregierungen von Baselland und Basel-Stadt das Bruderholz­spital zu einer Tagesklinik umbauen wollen. Für die Bewahrung des 1973 eröffneten Akutspitals setzt sich auch die Ärztegesellschaft Baselland ein – allerdings will sie sich nicht im Initiativkomittee engagieren, wie Präsident Tobias Eichenberger gegenüber der «Basellandschaftlichen Zeitung» sagte.
«Wir stimmen über jedes Trottoir ab, aber eine solch gewichtige Veränderung, wie sie beim Bruderholzspital geplant ist, wird im Geheimen am Volk vorbeigedrückt», sagte Schaefer zur BaZ. Das sei undemokratisch. 
In der Sache kritisiert Schaefer, dass die geplante Bruderholz-Tagesklinik unnötig sei: Ein entsprechendes Angebot sei ja schon vorhanden. «Wir haben genug Arztpraxen und Spezialisten, die solche ambulanten Eingriffe durchführen können.»

Hie SVP, da SVP

Bemerkenswert ist dabei, dass sich hier SVP-Kreise gegen die von Gesundheitsdirektor Thomas Weber (SVP) vorangetriebenen Zusammenlegungs-Pläne stellen. Auch Hans Kummer, der ehemalige Bruderholz-Chefarzt, ist SVP-Mitglied.
Die Initianten glauben, dass sie innert kürzester Zeit die erforderlichen 1'500 Unterschriften zusammen haben werden. Tatsächlich geniessen etablierte Spitäler oft einen grossen Rückhalt in der Bevölkerung – und folglich wecken Abbaupläne viel Widerstand. Im Frühjahr lancierte Mario Bernasconi, ein Ex-Polizist, fast im Alleingang eine Petition «Rettet das Bruderholzspital» – und er konnte dafür 1'100 Unterschriften einreichen. Das Anliegen wurde gar vom Baselbieter Parlament an die Regierung überwiesen.
Auch in Zürich wird sich bei der geplanten Privatisierung des Kantonsspitals Winterthur ein Referendum wohl kaum vermeiden lassen. In Bern wiederum will derzeit eine Spitalinitiative die Landspitäler namentlich und einzeln in der Kantonsverfassung fixieren.
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