Gegen Engpässe: Digitale Heilmittelplattform gestartet

Der Bund digitalisiert die Überwachung von Medikamentenengpässen: Ab sofort ist die neue Heilmittelplattform der wirtschaftlichen Landesversorgung in Betrieb – ein Schritt hin zu einem Frühwarnsystem für lebenswichtige Arzneimittel.

, 1. Juli 2025 um 13:03
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Symbolbild: Unsplash.
Mit dem Start der Heilmittelplattform (HMP) macht die Schweiz einen wichtigen Schritt zur besseren Überwachung und Bewältigung von Medikamentenengpässen. «Erstmals ist eine 'end-to-end' digitale Abdeckung des gesamten Prozesses möglich», betont das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) in seiner Mitteilung.
Die Plattform ersetzt das bisherige System vollständig und erlaubt Pharmaunternehmen, Engpässe und Lieferunterbrüche ausschliesslich elektronisch zu melden und zu verwalten. Ziel sei ein effizienter, standardisierter Austausch zwischen Industrie und Behörden – ein wesentlicher Fortschritt angesichts der zunehmenden Belastung durch Versorgungsprobleme.

Datenstandardisierung und Frühwarnung

Die neue HMP greift auf Zulassungsdaten von Swissmedic und Pflichtlagerdaten der Helvecura zu. Diese Datenbasis und die Anbindung an das Informations- und Einsatzsystem «New Generation» (IES NG) schaffen die Grundlage für ein umfassendes Bestandsmonitoring, das bis Ende 2026 zum Frühwarnsystem ausgebaut werden soll.
Ein zentraler Vorteil sei die Flexibilität und Skalierbarkeit, so das BWL – mittelfristig könnten auch Medizinprodukte oder Tierarzneimittel in das System integriert werden.

Zusammenarbeit über Behörden hinweg

Die Entwicklung der neuen Plattform ist Ergebnis einer engen Kooperation zwischen dem BWL, dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS), armasuisse und der pharmazeutischen Industrie. Besonders betont wird die termingerechte Umsetzung im vorgesehenen Kostenrahmen.
Mit dem Go-Live der ersten Ausbaustufe hat das Bundesamt einen zentralen Auftrag des Bundesrates erfüllt. Bereits im Januar 2024 hatte dieser entschieden, die seit 2015 bestehende Meldeplattform zu einem leistungsfähigen digitalen Monitoring auszubauen.
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