Schweizer Männer finden sich zu dick

In einer Studie über das Gesundheitsverhalten in Europa stehen die Schweizer generell gut da. Während Frauen eher über depressive Symptome klagen, fühlt sich die Mehrheit der Männer übergewichtig.

, 3. Januar 2017, 08:08
image
  • politik
  • gesundheitspolitik
  • studie
Wie steht es um die Gesundheit der Schweizerinnen und Schweizer und wie gesund - oder ungesund - leben sie im europäischen Vergleich? Antworten darauf gibt die neuste Erhebung des European Social Survey (ESS) von der University of London. Die Studie wird seit 2002 alle zwei Jahre europaweit durchgeführt. 
Erhoben werden Daten über Einstellungen und Verhaltensmuster der Bevölkerung in 21 europäischen Ländern. Der Bericht basiert auf über 40'000 Befragungen, die in den Jahren 2014/15 durchgeführt wurden.
In den Ergebnissen manifestieren sich «deutliche Gesundheitsunterschiede zwischen den Ländern», sagt ESS-Direktor Rory Fitzgerald, in einer Mitteilung. Es zeigen sich aber auch deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern. 
«Social Inequalities in Health and their Determinants: Topline Results from Round 7 of the European Social Survey» - in: «ESS Topline Result Series», University of London

Die wichtigsten Ergebnisse

  • Frauen klagen generell häufiger über depressive Symptome als Männer. In der Schweiz sind es 9,3 Prozent der Frauen gegenüber 4,7 Prozent der Männer. Die Schweiz weist damit in diesem Punkt zusammen mit Finnland und Norwegen die tiefsten Raten auf. 
  • Frauen klagen auch häufiger über starke Kopf- und Rückenschmerzen als Männer. 
  • In ganz Europa fühlen sich Männer häufiger übergewichtig als Frauen. Von den Schweizer Männern finden sich 52,5 Prozent zu dick, bei den Frauen beträgt der Anteil 29,9 Prozent. Damit liegen die Schweizer europaweit im Mittelfeld. In Deutschland etwa fühlen sich 60 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen zu dick. 

Schweizer generell zufrieden mit der Gesundheit

  • Schweizer sind zusammen mit den Iren am zufriedensten mit dem allgemeinen Gesundheitszustand. Nur 2,3 Prozent der Männer und 3,9 Prozent der Frauen klagen über einen schlechten oder sehr schlechten Gesundheitszustand. Am unzufriedensten sind die Menschen in Ungarn, Estland und Litauen. 
  • 20,4 Prozent der Männer und 22,3 Prozent der Frauen fühlen sich durch eine Krankheit eingeschränkt. Dies ist im europäischen Vergleich ein tiefer Wert. 
  • Chronische Krankheiten wie Herz- und Kreislaufprobleme, Bluthochdruck und Diabetes sind in der Schweiz im Vergleich zum europäischen Ausland wenig verbreitet. Rund 14 Prozent der Bevölkerung klagt über Bluthochdruck. 

Männer rauchen und trinken mehr als Frauen

  • Geht es um das Risikoverhalten, liegt die Schweiz im Mittelfeld. 28,5 Prozent der Männer und 24,9 Prozent der Frauen geben an zu rauchen; 37,6 Prozent der Männer und 16,7 Prozent der Frauen rauchen sogar 20 oder mehr Zigaretten pro Tag. 
  • Männer neigen eher zum Alkoholkonsum als Frauen. 39,8 Prozent der Schweizer Männer trinken mindestens einmal pro Woche Alkohol. Bei den Frauen sind es 20,8 Prozent. Alkoholexzesse sind in Portugal ein Problem, wo 17,5 Prozent der Männer sich mindestens einmal wöchentlich ins Koma trinken. In der Schweiz geben 5,5 Prozent der Männer und 1,8 Prozent der Frauen an, sich mindestens einmal wöchentlich ins Koma zu trinken. 
  • Im Mittelfeld liegen die Schweizer, wenn es um körperliche Aktivität geht. 22 Prozent der Bevölkerung treibt einmal alle drei bis vier Tage Sport.

Gesundheitsversorgung top

  • Geht es zum den Zugang zur Gesundheitsversorgung, ist die Schweiz top: «Nur» 4,8 Prozent der Männer und 8,1 Prozent der Frauen geben an, dass ihre medizinischen Bedürfnisse nicht befriedigt worden sind. Holland und Österreich haben ähnlich tiefe Werte. Am anderen Ende der Skala liegen Länder wie Finnland, Polen oder Israel. 
  • Frauen konsultieren häufiger als Männer Spezialisten und setzen auf alternative Behandlungsmethoden. In der Schweiz ist der Anteil der Frauen, die auf Alternativmedizin setzen, mit 56,7 Prozent besonders hoch (Männer: 39,7 Prozent). 
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Schweizer Ärzte gehen sparsamer mit Antibiotika um

Der Einsatz von Antibiotika ist gesunken. Dadurch konnten die Resistenzraten gebremst werden. Das zeigt der «Swiss Antibiotic Resistance Report 2022».

image

Andreasklinik: Gesundheitsdirektion stösst auf Gegenwind

Der Klinik in Cham soll der Auftrag für die Grund- und Notfallversorgung entzogen werden. Die «IG Wahlfreiheit Kanton Zug» wehrt sich mit einer Petition.

image

Medikamente: Bund senkt Preise, spart aber nur halb so viel wie zuvor

2020 bis 2022 rechnet das BAG wegen der Senkung von Arzneimittelpreisen mit Einsparungen von über 250 Millionen Franken. 2017 bis 2019 war es deutlich mehr.

image

Gesundheitspolitik im Blindflug

Was darf unser Gesundheitswesen kosten? Diese Frage scheint das BAG derart stark zu beschäftigen, dass es laufend neue Massnahmen mit dem Argument, «die Kosten zu dämpfen», vorschlägt.

image

Lobbywatch entschuldigt sich bei Gesundheitspolitikerin

Ruth Humbel lasse sich zu hundert Prozent als Lobbyistin bezahlen, kritisierte eine Organisation – zu Unrecht, wie sich herausstellte.

image

Keine Empfehlung: Die GDK verzichtet auf Covid-Massnahmen

Heute hat sich der Vorstand der Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren auch mit der epidemiologischen Lage befasst.

Vom gleichen Autor

image

Pflege: Zu wenig Zeit für Patienten, zu viele Überstunden

Eine Umfrage des Pflegeberufsverbands SBK legt Schwachpunkte im Pflegealltag offen, die auch Risiken für die Patientensicherheit bergen.

image

Spital Frutigen: Personeller Aderlass in der Gynäkologie

Gleich zwei leitende Gynäkologen verlassen nach kurzer Zeit das Spital.

image

Spitalfinanzierung erhält gute Noten

Der Bundesrat zieht eine positive Bilanz der neuen Spitalfinanzierung. «Ein paar Schwachstellen» hat er dennoch ausgemacht.