So könnten Zwangsmassnahmen reduziert werden

Je stärker die Vorurteile, desto grösser Druck der Psychiatrie, Zwangsmassnahmen einzusetzen. Dies sagt eine Studie der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel.

, 28. Januar 2022, 07:18
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  • zwangsmassnahmen
  • psychiatrie
«Je mehr eine Person über psychische Krankheiten weiss, desto kritischer ist sie gegenüber Zwangsmassnahmen in der Psychiatrie.» Dies ist die Kernaussage einer wissenschaftlichen Studie der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel.
Laut Medienmitteilung wurde mit dieser Studie zum ersten Mal die Zustimmung der Bevölkerung zu Zwangsmassnahmen in der Psychiatrie untersucht. Befragt wurden über 2000 Personen aus  beider Basel.
Professor Christian Huber ist Chefarzt und Stellvertretender Direktor der UPK Klinik für Erwachsene. Er sagt: «Je stärker eine Zwangsmassnahme die Person einschränkt, desto grösser wird auch die Rolle der Vorurteile». Die Studie zeige, dass neben der Einschätzung der Situation auch Vorurteile gegenüber psychisch kranken Personen dazu führten, dass Zwangsmassnahmen befürwortet werden.
Zur Studie: Steiger, S. et al.: Approval of Coercion in Psychiatry in Public Perception and the Role of Stigmatization. Frontiers in Psychiatry. (2022)
In der Befragung wurden die Personen gebeten, die Beschreibung einer fiktiven Person mit psychopathologischen Symptomen zu lesen. Danach konnten sie angeben, ob sie Zwangsmassnahmen für diese Person akzeptieren würden. Zusätzlich wurden die Vorurteile gemessen.
Unter Zwangsmassnahmen werden Isolation, Zwangsmedikation und Fürsorgerische Unterbringungen zusammengefasst. Laut UPK werden solche Massnahmen äusserst zurückhaltend eingesetzt. Doch aufgrund von Vorurteilen steht die Psychiatrie gemäss Christian Huber unter einem gewissen Druck, Zwangsmassnahmen anzuwenden.
Das Fazit daraus: eine bessere Aufklärung über psychiatrische Erkrankungen. Das würde den Druck senken, Zwangsmassnahmen einzusetzen, wo möglichweise andere Massnahmen mit weniger Zwang ebenfalls zum Ziel führten.
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