Hier sehen Sie, wie Spitäler in Zukunft verglichen werden

Comparis setzt den Trend und startet einen Schweizer Spitalvergleich – aber wie geht es weiter? Dazu gibt es ein Vorbild.

, 13. August 2015, 07:36
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Wenn Sie wollen, können Sie gleich nachschauen, wie das Frühstück im Universitätsspital Zürich aussieht: Eingepacktes Semmeli, zwei Sorten Hero-Konfi, Butter, Jogurth. Hier ist das Bild
Es findet sich auf Yelp, einem Bewertungsportal, das in der Schweiz nicht besonders bekannt ist (da nicht sehr aktiv) – aber global gesehen ein Riese.
Yelp macht vor, wie eine Welt aussieht, in der auch alle Spitäler gerankt und geratet werden wie Hotels oder Restaurants. Mit über 140 Millionen Besuchern pro Monat hat die Site so viel Publikum, dass sogar bereits eine Reihe Beurteilungen für Schweizer Spitäler zusammenkommen.

Würden Sie dieses Spital weiterempfehlen?

Da wäre also zum Beispiel ein Felipe aus Milano, er gibt der Hirslanden-Klinik Birshof fünf Sterne und kommentiert: «The service is excellent and everyone is there to help you».
Gestern meldete der Vergleichsdienst Comparis, dass er einen eigenen Schweizer Spitalvergleich lancieren will. Zuerst nur im Bereich Geburtshilfe, demnächst auch in Orthopädie und Kardiologie, sollen die Patienten nach Ende der Behandlung Noten verteilen: Leistung, Abläufe, Betreuung – und dann die Frage, ob sie dieses Spital weiterempfehlen würden. 
Damit dürfte der Spitalvergleich in der Schweiz eine neue Stufe erlangen: Er wird kommerzieller – und wohl auch attraktiver. Zwar hat Comparis noch keine konkreten Modelle, wie sich das neue Angebot in ein grosses Geschäft verwandeln lässt: «Wir haben noch keinen Businessplan», sagte Comparis-Vertreter Felix Schneuwly gestern in der «Neuen Zürcher Zeitung»
Aber mit Comparis dürfte sich die Tendenz verstärken zu publikumsfreundlicher gestalteten Vergleichsangeboten, bei denen die Sternchengebung von anderen Patienten eine wichtige Rolle spielt. Sie hatte sich ja auch zuvor schon in Angeboten wie Santecheck manifestiert. 
Der Webkonzern Yelp zeigt also vielleicht, wohin es läuft. Im Heimmarkt USA hat er rund 25'000 Spitäler, Kliniken und Praxisgruppen erfasst. Und dort verbinden sich dann Sternchennoten mit Angaben zu Faktoren wie:

  • Durchschnittliche Wartezeit im Notfall
  • Kommunikation durch die Ärzte
  • Ruhe im Zimmer
  • Bezahlte Bussen für Sicherheits-Verletzungen.

Dazu wertet das Unternehmen seit Kurzem auch Behörden- und Krankenkassen-Angaben aus, und es kooperiert mit der journalistischen Recherche-Site «Pro Publica» (die diesen Sommer ein detailliertes Ärzte-Rating lanciert hat). 

Tickt die Schweiz anders?

Hinzu kommen reihenweise Patientenkommentare – bei grossen Häusern sind es hunderte –, deren Spannweite reicht von «Jeder nimmt sich Zeit für dich» bis: «Es ist besser, wenn du dir die Vene mit der Nadel selber suchst».
Medizinisch zweifelhaft? Gewiss. Und das Bedürfnis nach solchen Urteilen mag in der Schweiz auch geringer sein, da der Spitalmarkt hier ja nicht so individualisiert ist und bereits ein Kantonswechsel keineswegs selbstverständlich ist. Aber Interesse vorhanden wäre sicherlich. 
Man darf sich dabei auch fragen, ob hier letztlich nicht dasselbe droht wie zuvor im Tourismusmarkt mit Tripadvisor und Booking.com sowie in vielen ähnlichen Bereichen sonst: Dort rollte am Ende immer einfach ein angelsächsischer Web-Riese das Feld auf.
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