Fallpauschalen: Gut für Codierer

Noch eine kleine Umfrage nach drei Jahren SwissDRG: Die Spitalmanager finden, dass vor allem die Krankenkassen profitiert haben – aber kaum die Patienten.

, 15. Juni 2015, 08:13
image
  • spital
  • fallpauschalen
Die Patienten haben verloren, die Krankenkassen sind die Gewinner: So beurteilen Spitalmanager offenbar heute das 2012 eingeführte Fallpauschalen-System. Konkret: In einer Umfrage, welche die Managementberatung Porsche Consulting durchführte, nahmen 31 Spitalmanager von Schweizer Spitälern teil. Dabei nannten zwei Drittel der Befragten (66 Prozent) die Krankenkassen als Nutzniesser des SwissDRG-Systems. 
Lediglich 17 Prozent der Befragten gaben indes an, dass die Patienten durch das Abgeltungssystem eine bessere Versorgung erhalten. 

SwissDRG gleich mehr Bürokratie

Festgestellt wurde auch eine zunehmende administrative Belastung durch SwissDRG: Zwei Drittel der befragten Spital-Leiter mussten in ihren Häusern zusätzlich Personal für die Codierung der Diagnosen einstellen. Ein ebenso grosser Anteil beklagte den erhöhten administrativen Aufwand für Ärzte und Pflegepersonal. Beide Faktoren erschwerten die Gewährleistung einer optimalen Patientenbehandlung.
Gefragt wurde auch nach den Hauptgründen für die suboptimalen Zustände bei der Patientenversorgung. Hier nannten 61 Prozent der Befragten die Überbelastung des Personals beziehungsweise den Personalmangel. 

Genügende Vergütungssätze? Teils, teils

Fast jeder zweite Spitalmanager schrieb zudem dem hohen Dokumentationsaufwand eine qualitätsmindernde Wirkung zu. Und jeder fünfte Manager nannte den zeitlichen und finanziellen Druck, den das Fallpauschalen-System brachte, als belastenden Faktor für die Patientenversorgung. 
Das wirft die Frage auf, ob die Fallpauschalen angemessen berechnet wurden. Das Stimmungsbild hierzu hält sich in etwa die Waage. Während 48 Prozent der Befragten mit der Höhe der Vergütungssätze zufrieden sind, halten 41 Prozent die Pauschalen für nicht ausreichend.

«Strukturen überdenken»

«Trotz der Belastungen durch das neue Tarifsystem für die Spitäler ist klar: Das Fallpauschalen-System ist da und wird bleiben», sagt Roman Hipp, Gesundheitsexperte bei Porsche Consulting. Chancen für Schweizer Spitäler sieht Hipp vor allem in der Optimierung von Abläufen sowie in der Einführung moderner Strukturen im Spital.
«Erster Schritt ist sicherlich die Abschaffung zu langer Verweildauern aufgrund organisatorischer Unzulänglichkeiten. Das darf aber nicht zu Lasten der Patienten gehen. Hier muss jedes Spital selbst aktiv werden und gewachsene Prozesse sowie eingefahrene Strukturen überdenken.»

  • Zur Mitteilung der Porsche Consulting

Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Die Universitätsklinik Balgrist hat es geschafft

Die Universitätsklinik Balgrist wurde mit EMRAM 6 - die zweithöchste Stufe bezüglich Digitalisierungsgrad – ausgezeichnet.

image

Spital korrigiert falsche Aussagen zu Chefarzt-Kündigung

Ist der Chefarzt Gregor Lindner nun krank oder nicht? Die Pressestelle des Bürgerspitals Solothurn zieht plötzlich Aussagen zu dessen Kündigung zurück.

image

Sauter: «Wir müssen grossräumiger denken»

Spitäler in den Randregionen brauchen eine neue Funktion. Das meint die neue Hplus-Präsidentin Regine Sauter.

image

Notfallmediziner erwarten Kollaps und schlagen schweizweit Alarm

Covid, Grippe und RSV: Die Notfallstationen sehen sich in diesem Winter mit Bedingungen konfrontiert, die sie an den Rand des Kollapses bringen könnten.

image

Direktor Peter Hösly übergibt den Stab an Simone Weiss

Am Sanatorium Kilchberg kommt es zu einem Führungswechsel: Nach 16 Jahren gibt Peter Hösly seinen Chefposten an der Privatklinik für Psychiatrie ab.

image

Spitaldirektorin will in den Nationalrat

Franziska Föllmi-Heusi vom Spital Schwyz ist als Kandidatin für die Nationalratswahlen nominiert.

Vom gleichen Autor

image

Brust-Zentrum Zürich geht an belgische Investment-Holding

Kennen Sie Affidea? Der Healthcare-Konzern expandiert rasant. Jetzt auch in der Deutschschweiz. Mit 320 Zentren in 15 Ländern beschäftigt er über 7000 Ärzte.

image

Wer will bei den Helios-Kliniken einsteigen?

Der deutsche Healthcare-Konzern Fresenius sucht offenbar Interessenten für den Privatspital-Riesen Helios.

image

Deutschland: Investment-Firmen schlucken hunderte Arztpraxen

Medizin wird zur Spielwiese für internationale Fonds-Gesellschaften. Ärzte fürchten, dass sie zu Zulieferern degradiert werden.