FaGe: Ein Fünftel steigt bald wieder aus

Aber die gute Nachricht: Ein sehr grosser Anteil an jungen Gesundheits-Fachleuten strebt rasch eine höhere Ausbildungstufe an. Obwohl dies gar keinen so hohen Lohnsprung verspricht.

, 22. September 2017, 10:54
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FaGe: Der Abschluss ist jung, er ist beliebt, und er ist enorm wichtig. Seit 2004 existiert der Lehrabschluss Fachfrau beziehungsweise Fachmann Gesundheit. Inzwischen belegt der Beruf Platz 3 der beliebtesten Lehren. Und dass er wichtig ist, muss angesichts des akuten und stetig wachsenden Mangels an Profis im Pflegeberech nicht weiter erläutert zu werden.
Diverse Bildungsorganisationen beobachten die FaGe-Absolventen also mit Sperberaugen: Was machen sie? Was wollen sie, wie entwickeln sie sich? 
Seit sechs Jahren werden die FaGe-Absolventinnen und Absolventen des Jahres 2011 periodisch dazu befragt. Nun wurde wieder eine Bestandesaufnahme veröffentlicht.
Grund zur Beunruhigung schaffen die Daten nicht – Grund zur Vorsicht vielleicht schon. Was kam heraus?

  • Ein gutes Viertel der Befragten arbeiten fünf Jahre nach Lehrabschluss weiterhin als FaGe (26 Prozent).
  • Knapp die Hälfte streben die nächste Stufe an: 42 Prozent arbeiten bereits mit einem höheren Fachschul- oder Fachhochschul-Abschluss im Gesundheitsbereich, 90 Prozent davon als diplomierte Pflegefachpersonen.
  • Andererseits besuchen nur nur vereinzelte der FaGe-Absolventen inzwischen eine Berufsmaturitätsschule im Gesundheitsbereich oder eine Passerelle für einen Zugang in universitäre Hochschulen. Und nur wenige erlernen einen anderen tertiären Gesundheitsberuf (2 Prozent).
  • Die am häufigsten ausgeübten nicht-pflegerischen Gesundheitsberufe sind Rettungssanitäter HF und Medizinische Praxisassistentinnen/Praxisassistenten EFZ.
  • 15 Prozent arbeiten in einem branchenfremden Beruf oder absolvieren eine branchenfremde Ausbildung, und 5 Prozent sind weder erwerbstätig noch in Ausbildung.

Zusammengefasst bedeutet dies: Fünf Jahre nach dem Lehrabschluss befinden sich noch 80 Prozent der ausgebildeten FaGe im Gesundheitswesen, darunter 54 Prozent auf der tertiären Bildungsstufe Gesundheit. 26 Prozent arbeiten weiterhin im erlernten Beruf. Und knapp zwei Drittel der erwerbstätigen FaGe sehen sich mit grösster Wahrscheinlichkeit in zwei Jahren weiterhin im aktuellen Beruf tätig.
Das lässt – grob zusammengefasst – wohl auf eine recht weit verbreitete Zufriedenheit mit dem Berufsfeld schliessen.

Alternative: Sozial- und Bildungsbereich

Andererseits: 20 Prozent der jungen FaGe haben das Gesundheitswesen bereits wieder verlassen. Wer in einem Beruf ausserhalb des Gesundheitswesens tätig ist, landet dann relativ häufig im Sozialbereich (26 Prozent) oder im Bildungswesen (12 Prozent).
Oft bedeutet dies einen endgültigen Ausstieg aus der Branche: Von jenen, die ausserhalb des Gesundheitswesens erwerbstätig sind, denken nur 7 Prozent «oft» oder «sehr oft» daran, wieder im Gesundheitswesen zu arbeiten.

Bessere Löhne in den Pflegeheimen

Der mittlere Monatslohn aller Befragten (Median) erreichte 5’395 Franken (ohne Zulagen, auf Vollzeitpensen gerechnet). Für FaGe waren es 4’887 Franken, für diplomierte Pflegefachpersonen HF/FH rund 670 Franken mehr.
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Brutto-Medianlöhne in Akutspital und Pflegeheim, ohne Zulagen, nach Beruf | Grafik: EHB/OdaSanté, «Trendbericht 2»
Sowohl die befragten FaGe als auch die diplomierten Pflegefachpersonen erhalten in Pflegeheimen höhere Gehälter als als in Akutspitälern – der Personalmangel und die höhere fachliche Attraktivität, welche viele den Spitälern zusprechen, zeigt also hier eine klare Wirkung.
Die Lohn-Differenz zwischen den Ausbildungsstufen ist also keineswegs enorm: Sie liegt im Schnitt klar unter 1’000 Franken. Die Studienautoren stellen denn auch die Frage in den Raum, ob dies ein genügender Anreiz für ein Studium an einer höheren Fachschule oder einer Fachhochschule Pflege sei.
Wer Führung übernehmen will, geht besser in die Pflegeheime
Fünf Jahre nach Abschluss hatte ein knappes Drittel der befragten Erwerbstätigen eine Funktion als Berufsbildnerin oder Bezugsperson von Lernenden. 40 Prozent hatten eine erste Führungsfunktion – meistens in Form von Tages- oder Schichtverantwortung oder als Gruppenleitung.
Dabei kamen Führungsfunktionen bei diplomierten Pflegefachpersonen häufiger vor als bei FaGe (50 zu 33 Prozent).
Besonders im Akutbereich übten FaGe kaum Führungsfunktionen aus – die Quote lag bei lediglich 5 Prozent. In Pflegeheimen war die Quote mit 64 Prozent massiv höher.
Eine Ausbildungsfunktion üben FaGe hingegen zu fast gleichen Anteilen aus wie diplomierte Pflegefachpersonen – und dies sowohl in Pflegeheimen wie in Akutspitälern. «Dies dürfte heissen, dass viele Lernende FaGe auch von ausgebildeten FaGe betreut werden», folgern die Autorinnen und Autoren des Trendberichts.
Insgesamt jedoch werden sowohl Führungs- als auch Ausbildungsfunktionen von beiden Berufen häufiger in Pflegeheimen als in Akutspitälern ausgeübt. Das heisst: Junge Pflegekräfte werden in Pflegeheimen früher mit Führungs- und Ausbildungsaufgaben betraut werden als in Akutspitälern.

  • Die Studie: Die Laufbahnstudie FaGe wird seit 2010 durchgeführt. Bisher fanden drei Erhebungswellen statt: 2010, 2012 und 2016. Befragt wurden alle Absolventinnen und Absolventen der dreijährigen Ausbildung zur Fachfrau und zum Fachmann Gesundheit, die 2011 das eidgenössische Fähigkeitszeugnis erlangten. Der Fokus lag dabei auf den Karriereplänen und später getroffenen Entscheiden. Der neue Bericht stützt sich auf alle drei Erhebungszeitpunkte.

Die Profile der Befragten:

  • Frauen: 93 Prozent
  • Geburtsort ausserhalb der Schweiz: 9 Prozent
  • Elternteil mit Hochschulabschluss: 35 Prozent
  • Abschlussnote EFZ über 5.0: 56 Prozent
  • Altersdurchschnitt (2016): 25 Jahre
  • Mindestens ein Kind (2016): 12 Prozent
  • Zivilstand ledig (2016): 81 Prozent
  • Berufsmaturität Typ 1 und 2 (2016): 24 Prozent

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