Deutsche werden nicht automatisch zu Organspendern

Wie die Schweizer wehren sich nun auch die Deutschen dagegen, dass sie nach ihrem Tod zu Organspendern werden. Viele Ärzte sind verärgert.

, 22. Januar 2020, 10:11
image
  • spital
  • organspende
  • transplantationen
  • deutschland
Rund um die Schweiz und Deutschland gilt in fast allen Ländern: Wer sich nicht ausdrücklich dagegen wehrt, wird nach seinem Tod automatisch als Organspender angesehen. Ein Versuch, in Deutschland dasselbe System einzuführen, ist gescheitert: Im Bundestag, dem deutschen Parlament stimmte eine Mehrheit der Abgeordneten dagegen.
Viele deutsche Ärzte reagierten erbost: «Deutschland wird im Jammertal des Spendermangels verweilen», äusserte sich ein leitender Chirurge der Uniklinik München, Helmut Arbogast, gegenüber watson.de. Der Herzchirurg Reiner Körfer sagte gegenüber «Bild»: «Ich schäme mich für Deutschland.»

Ist der Entscheid für viele Patienten ein Todesurteil?

Die Abgeordneten, die gegen die so genannte Widerspruchslösung waren, seien sich offensichtlich nicht der Tragweite dieser Abstimmung nicht bewusst gewesen. Für viele Patienten komme sie einem Todesurteil gleich. Die Bundesärztekammer (BÄK) hatte sich im Vorfeld der Abstimmung klar für die Widerspruchslösung stark gemacht.
Immerhin erhofft sich BÄK-Präsident Klaus Reinhardt nun einen Fortschritt gegenüber der bisherigen Regelung. Denn die Abgeordneten haben entschieden, folgende Massnahmen gegen den herrschenden Mangel an Spenderorganen zu ergreifen:
  • Personen, die ihre Organe spenden wollen, sollen das in einem neuen zentralen Online-Register eintragen.
  • Personen, die einen neuen Ausweis brauchen, werden von der Ausweisstelle auf die Organspende und das zentrale Online-Register aufmerksam gemacht.
  • Hausärzte sollen ihre Patienten mindestens alle zwei Jahre übers Organspenden beraten.
In Deutschland stehen rund 9000 Patienten auf den Wartelisten für Organspenden. Letztes Jahr wurden aber nur gut 900 Spenderorgane eingepflanzt.

Organspende in der Schweiz weiter verbreitet als in Deutschland

Zum Vergleich: In der Schweiz warten gut 1400 Patienten auf ein Organ. Transplantiert wurden  rund 600. In der Schweiz stehen die Chancen auf ein Spenderorgan also weit höher als in Deutschland.
In der Schweiz hat sich kürzlich die Nationale Ethikkommission (NEK) gegen automatische Organspenden ausgesprochen. Der Grund: Das Recht, frei darüber zu entscheiden, was nach dem Tod mit den eigenen Organen passiert, würde mit dieser Lösung zu wenig geschützt.

Mehr Aufklärung und Motivation zum Spenden

Die NEK ist für eine ähnliche Lösung wie sie jetzt in Deutschland gilt. Das heisst: Die Menschen in der Schweiz sollen regelmässig aufgefordert werden, sich mit dem Thema der Organspende auseinanderzusetzen und sich dazu zu äussern.
Artikel teilen

Loading

Comment

2 x pro Woche
Abonnieren Sie unseren Newsletter.

oder

Mehr zum Thema

image

Spital korrigiert falsche Aussagen zu Chefarzt-Kündigung

Ist der Chefarzt Gregor Lindner nun krank oder nicht? Die Pressestelle des Bürgerspitals Solothurn zieht plötzlich Aussagen zu dessen Kündigung zurück.

image

Sauter: «Wir müssen grossräumiger denken»

Spitäler in den Randregionen brauchen eine neue Funktion. Das meint die neue Hplus-Präsidentin Regine Sauter.

image

Notfallmediziner erwarten Kollaps und schlagen schweizweit Alarm

Covid, Grippe und RSV: Die Notfallstationen sehen sich in diesem Winter mit Bedingungen konfrontiert, die sie an den Rand des Kollapses bringen könnten.

image

Direktor Peter Hösly übergibt den Stab an Simone Weiss

Am Sanatorium Kilchberg kommt es zu einem Führungswechsel: Nach 16 Jahren gibt Peter Hösly seinen Chefposten an der Privatklinik für Psychiatrie ab.

image

Spitaldirektorin will in den Nationalrat

Franziska Föllmi-Heusi vom Spital Schwyz ist als Kandidatin für die Nationalratswahlen nominiert.

image

Eklat am Unispital Zürich: Das sagt der Spitalrat zu den Vorwürfen im Fall Clavien

Der Star-Chirurg Pierre-Alain Clavien fühlt sich vom USZ rausgeschmissen. Nun reagiert André Zemp, Spitalratspräsident, auf dessen Vorwürfe.

Vom gleichen Autor

image

Mehr Lohn für Spitalangestellte? Stimmt häufig nicht.

Es ist eine Augenwischerei: Die Spitäler behaupten, die Löhne zu erhöhen. Dabei gleichen viele nicht einmal die Teuerung aus.

image

Solothurn muss neuen Notfallmediziner suchen

Chefarzt Gregor Lindner hat gekündigt. Nun muss die Notfallstation des Bürgerspitals Solothurn einen Nachfolger finden.

image

Hier wird das neue Ambulante Zentrum gebaut

Das Luzerner Kantonsspital plant ein neues Ambulantes Zentrum. Es kommt aufs Areal des Parkhauses und des Kinderspitals.