Covid-19: Dürftiges Testangebot in Frauenfeld?

In Frauenfeld kann man sich in zwei Apotheken sowie im Testzentrum von Misanto testen lassen – aber nur mit Voranmeldung. Reicht das aus für eine Kantonshauptstadt?

, 30. September 2021, 16:00
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«Wo kann ich mich in Frauenfeld kurzfristig testen lassen?», mögen sich viele Thurgauerinnen und Thurgauer in den vergangenen Wochen gefragt haben.
In Frauenfeld gibt es kein einziges Covid-Testzentrum «ohne Voranmeldung». Wer sich testen lassen will, ohne sich vorher angemeldet zu haben, muss etwa nach Weinfelden in die Apotheke Hörmann oder nach Winterthur, z.B. in die Permanence (je rund 20 Minuten Fahrzeit von Frauenfeld).

Übersicht Testangebote

Diese Tatsache erstaunt, zumal die Kantonshauptstadt knapp 26’000 Einwohner zählt. Zum Vergleich: Das Dorf Appenzell hat rund 5’800 Einwohner und verfügt über zwei Testzentren – eines mit und eines ohne Voranmeldung.
Im Kanton Thurgau bieten insgesamt 24 Institutionen Testungen auf Covid-19 an, wie aus einer frei zugänglichen Liste des Thurgauer Amtes für Gesundheit auf dessen Webseite hervorgeht. In Frauenfeld können sich Personen in der Coop Vitality Apotheke, in der Passage Apotheke sowie im Testzentrum des telemedizinischen Unternehmens Misanto testen lassen. Bei allen drei Anbietern muss vorher ein Termin gebucht werden. Sowohl die Coop Vitality Apotheke als auch die Passage Apotheke hat für Terminvereinbarungen einen Online-Kalender auf der Webseite aufgeschaltet.
Während bei der Coop Vitality Apotheke in Frauenfeld das Testen lediglich an zwei Tagen pro Woche möglich ist, wird in der Passage Apotheke an sechs Tagen pro Woche, jeweils von Montag bis Samstag, getestet.

«Wir verzichten bewusst auf das Testen ohne Voranmeldung»

Stefan Ullmann, eidgenössisch diplomierter Apotheker und Geschäftsführer der Passage Apotheke AG, schreibt auf Anfrage: «Wir haben die Testkapazitäten diesen Spätsommer auf bis zu 200 Tests pro Tag ausgebaut und versuchen die Kapazitäten in den kommenden Tagen auf bis zu 300 Tests pro Tag auszubauen.» Das Angebot werde von der Bevölkerung «sehr geschätzt», auch wenn es verzeinzelt Personen gebe, die nicht verstehen würden, weshalb es nicht mehr möglich sei, sich kurzfristig testen zu lassen. «Wir verzichten bewusst auf das Testen ohne Voranmeldung, da wir als einer der wenigen Anbieter in der Region Frauenfeld der aktuell hohen Nachfrage nicht nachkommen könnten – und um bei unserem Fachpersonal die Durchhaltefähigkeit gewährleisten zu können», ergänzt Ullmann, der seit rund vier Jahren den Verband Apotheken Thurgau präsidiert.
Bevor die Passage Apotheke und die Coop Vitality Apotheke in Frauenfeld im November 2020 mit Testungen begannen, liefen diese nur über die ärztlichen Grundversorger und das mobile Angebot von Misanto. Das 2016 gegründete telemedizinische Unternehmen Misanto hat Ende März 2020 im Auftrag des Kantons Thurgau mit der Durchführung von Coronatests begonnen. Anfang 2020 hat es eine App für medizinische Beratung auf den Markt gebracht.

Keine Antwort von Misanto

Auch bei Misanto soll man mit ein paar Klicks einen Testtermin erhalten – so steht es zumindest auf der Webseite. Dass man einen Termin für einen Covid-19-Test in Frauenfeld auch direkt über die Webseite buchen kann, scheint allerdings neu zu sein («Jetzt neu: Corona-Test in Frauenfeld online buchen»). Denn gemäss Recherchen war dies vergangene Woche noch nicht der Fall. Wer bei Misanto einen Termin vereinbaren wollte, konnte dies über die Hotline tun oder es mit einer Anfrage per E-Mail versuchen.
Die Schreibende hat seit dem 23. September fünf Mal bei der Hotline angerufen – ohne Erfolg. Derzeit seien alle Leitungen besetzt, hiess es jedes Mal. Auch das Antragsformular für einen Covid-Test, das vergangene Woche noch auf der Webseite zu finden war, wurde nicht beantwortet. Was ist los bei Misanto? Auch auf diese sowie weitere Fragen, welche die Schreibende am vergangene Montag per E-Mail gestellt hat, wurde nicht eingegangen. Der Chef von Misanto und Arzt Thomas Krech (NZZ: «Er will sämtlichen Haushalten im Land Selbsttests schicken, um der Krise Herr zu werden») sowie seine Mitarbeiter können per E-Mail nicht direkt angeschrieben werden – die Twitter-, Instagram- und LinkedIn-Accounts der Mitarbeiter sind hingegen auf der Webseite aufgeführt.

Was sagt das Thurgauer Amt für Gesundheit? 

Der Kanton Thurgau prüfe aktuell Massnahmen, wie die gestiegene Nachfrage nach Tests noch besser abgeholt werden könne, heisst es seitens des Amtes für Gesundheit. Grundsätzlich sei aber nicht alleine die Anzahl Teststellen ausschlaggebend, auch Faktoren wie Öffnungszeiten und Laborkapazitäten spielten eine Rolle dabei, ob einer Nachfrage nachgekommen werden könne oder nicht.
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