Antidepressiva hemmen Krebswachstum in Mäusen

Antidepressiva könnten helfen, moderne Krebsbehandlungen zu verbessern. In Mäusen verlangsamten Serotoninblocker das Wachstum von Bauchspeicheldrüsen- und Darmkrebs.

, 28. September 2021, 07:42
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Forschende der Universität Zürich (UZH) und des Universitätsspitals Zürich (USZ) zeigen, dass Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) in Experimenten mit Mäusen das Krebswachstum verlangsamen. Dies gilt auch für andere Medikamente, welche die Konzentration von peripherem Serotonin senken, wie die Universität Zürich mitteilt. 
Antidepressiva und andere Serotoninblocker führen dazu, dass die Abwehrzellen die Tumorzellen wieder erkennen und effizient eliminieren. Dadurch wurde in den Mäusen das Wachstum von Dickdarm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs gebremst. Kombiniert mit einer Immuntherapie stoppten sie das Krebswachstum sogar langfristig, zum Teil verschwanden die Tumore komplett.

Resultate geben Anlass zur Hoffnung für Krebspatienten

«Bereits zugelassene klassische Antidepressiva könnten helfen, die Therapie von bisher unheilbarem Bauchspeicheldrüsen- und Darmkrebs zu verbessern», sagt Pierre-Alain Clavien, Direktor der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie. Da Sicherheitsprofile und Wirksamkeit bekannt seien, sollte es relativ rasch möglich sein, solche neuartigen Medikamentenkombinationen in einer klinischen Studie am Menschen zu prüfen, so Clavien.
Dass der Neurotransmitter Serotonin auch an der Krebsentstehung beteiligt ist, war bereits bekannt. Bis anhin blieben die zugrundeliegenden Mechanismen aber im Dunkeln. Krebszellen nutzen das als Glückshormon bezeichnete Serotonin, um die Produktion eines zentralen Moleküls der Krebsentwicklung anzukurbeln: das sogenannte PD-L1. Dieses bindet an Killer-T-Zellen, einen bestimmten Typ von Immunzellen, welche normalerweise Tumorzellen erkennen und eliminieren, und macht sie funktionsunfähig.  


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