«Ich würde mehr das Künstlerische, das Kreative ausleben»

Adrian Schmitter ist CEO am Kantonsspital Baden (KSB). In einem Interview mit Innopool spricht der Jurist und Spitaldirektor über Führung, Innovation und was er in der Freizeit macht.

, 21. März 2022, 06:14
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    Adrian Schmitter

    CEO Kantonsspital Baden

    Adrian Schmitter ist seit über 7 Jahren CEO des Kantonsspitals Baden. Er absolvierte ein Ingenieurstudium als Agronom und studierte an den Universitäten Neuenburg und Freiburg Rechts- und Wirtschaftswissenschaft, welche er als lic.iur. abschloss. Sein Werdegang zeichnet sich durch unterschiedliche Führungs- und Aufsichtsfunktionen im Gesundheitswesen, vorwiegend in den Kantonen Bern und Aargau aus.

Haben Sie heute schon Ideen, was Sie nach Ihrer beruflichen Karriere machen möchten?
Einerseits möchte ich mich gerne in strategischen Gremien engagieren und meine zahlreichen Erfahrungen strategisch einbringen. Andererseits möchte ich gerne mehr Zeit für meine Oldtimer haben.
Wenn Sie jemanden für ein Mittagessen treffen könnten – egal ob lebendig oder tot – wen würden Sie wählen und wieso?
Da gäbe es ganz viele Personen (lacht). Von meiner Ausbildung her würde ich gerne Eugen Huber kennenlernen. Er war der Verfasser des Zivilgesetzbuches. Ich finde es beeindruckend, wie er in einer so kurzen Zeit ein derart umfassendes Gesetz entworfen hat, in dieser Klarheit und Diszipliniertheit. Als zweites würde ich natürlich gerne Marie Curie kennenlernen, die doppelte Nobelpreisträgerin in den Disziplinen Physik und Chemie. Sie hat sehr viel für das Gesundheitswesen und die Radiologie gemacht und ist dann leider auch an ihren Erforschungen gestorben. Und als drittes, rein für mein Gemüt, würde ich gerne Monika Bellucci kennenlernen und mit ihr Essen gehen. Ich finde sie eine fantastische Frau und finde es herausragend, dass sie neben der Schauspielerei auch Jura studiert hat. Auch wie sie mit dem Alter umgeht, ist eindrücklich.
«Für mich ist Loyalität wichtig, aber auch die Innovationskraft sowie aufmerksam zu sein.»
Welche Eigenschaften sind Ihnen bei Ihren Mitarbeitenden wichtig?
Da gibt es viele. Es kommt immer auf die spezifische Aufgabe und den Einsatzbereich des Mitarbeitenden an. Für mich ist Loyalität wichtig, aber auch die Innovationskraft sowie aufmerksam zu sein. Besonders essenziell ist auch das Feuer für den Beruf und die Organisation.
Kommen Sie manchmal zu spät?
Ich komme manchmal zu spät. Für mich ist dies jedoch ein Thema des Anstands. Ich mag es nicht, wenn andere zu spät sind, und ich mag es nicht, wenn ich selbst zu spät bin. Ich probiere immer pünktlich zu sein an meinen Sitzungen. Teilweise gibt es aber Dritteinwirkungen, die ich nicht verhindern kann.
«Ich glaube für eine Führungskarriere entscheidet man sich nicht sehr bewusst. Man wächst in diese Rolle hinein.»
Wie kam es dazu, dass Sie sich für eine Führungskarriere entschieden haben?
Ich glaube für eine Führungskarriere entscheidet man sich nicht sehr bewusst. Man wächst in diese Rolle hinein. Ich habe gemerkt, dass ich, wenn ich mich engagiere, mich voll engagiere. Dadurch wurde ich häufig angefragt, dass ich es auch umsetze, wenn ich schon etwas verändern will. Dies hat dazu geführt, dass ich sehr gern in diese Führungsrolle ging und die jeweilige Verantwortung übernommen habe. Ich geniesse dies; nicht die Macht die damit verbunden ist, sondern den Austausch, welchen ich dadurch mit vielen verschiedenen Leuten haben darf.
«Wäre ich noch 10-20 Jahre jünger, würde ich auch selbst noch etwas starten und im Gesundheitswesen innovative Ideen umsetzen.»
Welche Startup-Idee würden Sie wählen, könnten Sie neu beginnen?
Diese Frage ist für mich sehr schwierig. Start-up bedeutet etwas Neues zu beginnen. So kreativ bin ich leider nicht, dass ich etwas ganz Neues wüsste. Könnte ich jedoch beruflich neu beginnen, würde ich mehr das Künstlerische, das Kreative ausleben. Ich bin aber in dem Bereich, in dem ich heute bin, sehr zufrieden. Wäre ich noch 10-20 Jahre jünger, würde ich auch selbst noch etwas starten und im Gesundheitswesen innovative Ideen umsetzen.
Was würden Sie tun, wenn Sie unendlich viel Geld hätten?
Da stellt sich zunächst die Frage, was unendlich bedeutet. Mit viel Geld würde ich mir viele Freiheiten kaufen und einige monetäre Träume verwirklichen. Mit sehr viel Geld würde ich gerne Mäzen sein und Gutes bewirken.
Wer oder was hat Sie ausserhalb der beruflichen Laufbahn am meisten geprägt?
Ausserhalb meiner beruflichen Laufbahn war es einerseits der Sport und dabei vor allem die damit verbundenen Unfälle. Diese haben mich gezwungen, zu studieren und keinen handwerklichen Beruf zu erlernen. Anderseits waren dies meine Kinder. Sie haben mir eine andere Sicht auf das Leben gezeigt.
Was bietet Ihnen einen Ausgleich zu Ihrem Berufsalltag?
Eigentlich wäre da jetzt die richtige Antwort die Familie. Neben der Familie sind es für mich auch noch die Oldtimer. Ich habe einige alte Alfa Romeos, welche ich restauriere und ausfahre. Heutzutage ist dies nicht mehr so opportun, aber umso schöner! Und was ich weiter gerne mache, ist lesen. Sei es ein Krimi oder sonstige, nicht zwingend hochstehende Literatur.
Wer oder was hat Sie in ihrer beruflichen Laufbahn am meisten geprägt?
Da gibt es verschiedenste Personen. Man lernt täglich neue Personen kennen, von denen man etwas mitnimmt. Für mich sehr prägend war der Präsident, welchen ich als Verbandsdirektor hatte, Ueli Niklaus. Ein blitzgescheiter Mensch, sehr bodenständig – Landwirt, und unheimlich kraftvoll. Er hatte sehr viel Energie und von ihm habe ich gelernt: «Es geht immer noch mehr».


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