Gemeinde zweifelt an neuer Hausarztpraxis

Der finanzielle Anschub für eine neue Arztpraxis im Kanton Aargau gerät ins Stocken. Grund ist ein TV-Bericht im Schweizer Fernsehen.

, 17. November 2022, 12:04
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Der Gemeinderat hat ein Darlehen für die Arztpraxis im Dorf beantragt. | Google Maps
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Eigentlich hätte die Gemeinde Fahrwangen der neuen Hausarztpraxis ein zinsloses Darlehen in der Höhe von 50'000 Franken bewilligen wollen. Das Thema stand jedenfalls auf der Agenda der Gemeindeversammlung. Es kommt nicht selten vor, dass ein Darlehen für die ärztliche Grundversorgung im Dorf diskussionslos gewährt wird. Doch nun wurde das Traktandum gestrichen, wie die «Aargauer Zeitung» (Abo) berichtet.
Grund seien die «vielen Unklarheiten». Denn der seit kurzem tätige Praxisbetreiber Jens Westphal von der Firma Avegena Medical Center ist in einer grossen SRF-Recherche vorgekommen. Die «Rundschau» berichtete dabei über mutmasslich zu Unrecht abgerechnete Corona-Tests. Erwähnt wurde aber auch die angebliche Verbindung zu Christopher Bene alias Christian Neuschitzer, der für den Zusammenbruch der «Mein-Arzt-Kette» verantwortlich ist und unter anderem wegen Covid-Betrug eine Haftstrafe absitzen musste.

Westphal gab Neuschitzer ein Mandat

Die Aargauer Gemeinde möchte nun zuwarten, wie Ammann Patrick Fischer der Zeitung sagt. Man habe auch bereits das Gespräch mit Jens Westphal gesucht: «Er bestreitet die Vorwürfe vollumfänglich», so Fischer. Es gelte natürlich die Unschuldsvermutung. «Es ist für uns aber klar, dass wir ihn nicht finanziell unterstützen werden, wenn er in illegale Geschäfte verstrickt ist.»
In einem Interview mit der «Aargauer Zeitung» wehrt sich Westphal gegen die Vorwürfe. Zu den laufenden Abklärungen rund um die mutmasslich unrechtmässig abgerechneten Covid-Tests versichert der 58-jährige Arzt, dass er nicht wissentlich an einem Betrug teilgenommen habe. Und er betont, dass Christian Neuschitzer nie einen Rappen in die Firma Avegena gesteckt habe. Er habe ihm im Sinne einer zweiten Chance ein kleines Administrations- und Beratungsmandat gegeben. Westphal erinnere sich aber nicht im Detail, bei welchen Besprechungen der ehemalige Mein-Arzt-Inhaber dabei war.
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