Junge Ärzte erwarten mehr von ihren Patienten: Denn diese, finden sie, sollen durchaus selber im Internet recherchieren, wie es um sie steht. Und sie erachten es als nützlich, wenn die Patienten schon vor dem Termin einige Online-Abklärungen getroffen haben.
In Zahlen: 71 Prozent der Mediziner der so genannten Generation Y wünschen dies. Die lockere Haltung zu Kollega Dr. Google unterscheidet sie deutlich von der älteren Ärztegeneration.
Die Erkenntnis entstammt einer bemerkenswerten kleinen Studie, welche Inventiv Health erarbeitet und publiziert hat, eine in Nordamerika und Europa tätige Kommunikationsagentur.
Befragt wurden zwei Gruppen von Medizinern: so genannte Millenials, also Ärzte, die etwa ab 1980 geboren wurden – und andererseits ältere Mediziner.
Was sind entscheidende Unterschiede? Inventiv Health stellte die Frage inbesondere im Hinblick auf die Marketing-Bemühungen der Pharmabranche – und da ergaben sich wohl schwierige Perspektiven. Die nachrückende Ärztegeneration dürfte viel schwieriger zu bearbeiten sein für die Pharmavertreter.
Denn gerade weil sie sich viel stärker auf Online-Plattformen stützen, werden Informationen aus der Industrie weniger genützt und geschätzt. Fast vier von fünf «Millenial-Ärzten» gaben an, Informationen der Pharmabranche nur zu würdigen, wenn sie vorher keine anderen Aussagen über das besagte Thema gefunden haben. Und nur 16 Prozent fanden, Pharma-Info-Materialien könnten sie beeinflussen. Bei den älteren Ärzten erreichte diese Quote fast 50 Prozent.
Junge hören weniger auf Patienten – und mehr auf die Kollegen
Nun mag sich hier auch eine gewisse Ehrlichkeit der Älteren ausdrücken – respektive Selbstüberschätzung bei den Jungen.
In diese Richtung deutet auch, dass lediglich ein Viertel der jungen Ärzte findet, dass sie sich von den Wünschen der Patienten beeinflussen lassen bei der Auswahl und Verschreibung einer Therapie. Bei den älteren Ärzten erreicht diese Quote indessen doch 41 Prozent.
In a Nutshell: Die Aussagen der Umfrage
- Jüngere Ärzte wünschen und erwarten eher, dass ihre Patienten sich via Internet informieren.
- Jüngere Ärzte informieren sich deutlich weniger via Vertreter und Info-Material der Pharmabranche.
- Auf der anderen Seite sind ihre «Peers» als Informationsquelle viel wichtiger – und mit denen tauscht man sich stark via Social Media aus.
- Jüngere Ärzte sagen eher aus, dass sie sich bei ihren Verschreibungen nicht beeinflussen lassen durch die Wünsche und Forderungen der Patienten.
- Jüngere Ärzte denken eher, sie müssten ihre Erklärungen für ältere Patienten vereinfachen. Ältere Ärzte glauben, sie müssten bei jüngeren Patienten eher simplifizieren.
Aber etwas anderes spielt wohl auch hinein in der neuen Distanz zur Pharma-Branche und zu den Patienten-Wünschen: Wenn es um Information und Weiterbildung geht, bauen die Nachwuchs-Ärzten nicht nur ganz stark auf die Internet-Ressourcen, sondern auch viel stärker auf die «Peers»; also auf den direkten Austausch mit den Kollegen (der eben auch oft digital und via Social Media erfolgt).
«Ein sehr teamorientierter Ansatz»
Nur 14 Prozent sagten zum Beispiel aus, dass sie mit Vorliebe alleine lernen und sich weiterbilden. Eine Mehrheit von 52 Prozent sucht dafür das Gespräch und die Zusammenarbeit mit anderen Ärzten. Auf der anderen Seite erachten lediglich 18 Prozent der älteren Generation die Weiterbildung durch den Austausch mit den Peers als wichtigste Form.
«Wir haben Zugang zu einen grossen Netzwerk anderer Mediziner», wird eine der befragten Gen-Y-Ärztinnen zitiert, «und daher arbeiten wir konstant mit anderen Doktoren zusammen und lernen stetig von anderen. Es ist ein sehr teamorientierter Ansatz.»
Ein überraschendes Ergebnis besagt, dass jede Generation weniger hält von den Patienten der anderen Generation. Konkreter: Die Jungärzte sagten mehrheitlich aus, dass sie ihre Erklärungen für ältere Patienten eher vereinfachen und straffen. Auf der anderen Seite fanden die älteren Mediziner, dass sie eher gezwungen sind, ihre Erklärungen für jüngere Patienten zu simplifizieren …