Spital Affoltern: Arzt weg, Zentrum geschlossen

Das Schmerzzentrum des Spitals Affoltern muss schliessen - weil ihm der einzige Belegarzt, Michael Heesen, abhanden gekommen ist.

, 3. September 2024 um 05:38
image
Bild: Screenshot/Website Spital Affoltern
Mitte August wurde bekannt, dass Michael Heesen per 1. Oktober Chefarzt Anästhesie und Intensivmedizin im Spital Oberengadin wird.
Sein Abbgang als Leiter des Zentrums für Schmerzmedizin am Spital Affoltern hat Folgen: Das Zentrum muss vorübergehend schliessen - und das nur etwas mehr als ein halbes Jahr nach der Gründung. 200 Patienten verlieren ihre Betreuung.
Auf der Website des Spitals heisst es: «Aufgrund des kurzfristigen Abgangs von Michael Heesen können aktuell keine Patienten und Patientinnen mehr betreut werden». Heesen war der einzige Belegarzt im Schmerzzentrum - und als solcher hat er die Möglichkeit, jederzeit zu gehen.
Gegenüber dem «Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern» sagt Spitaldirektor Lukas Rist: «Das hat uns schon sehr überrumpelt».
Er sei von der Neuigkeit nach der Rückkehr aus den Ferien überrascht worden, Anzeichen für einen bevorstehenden Wechsel habe es bis dato keine gegeben. «Im Gegenteil», so Rist: «Wir sind sehr gut und einvernehmlich gestartet, wir hatten einen regen Zuspruch an ambulanten Patientinnen und Patienten und den Plan weiterzuwachsen, weil wir auch stationäre Aufenthalte anbieten wollten.» Strategische oder sonstige Differenzen habe es nicht gegeben, betont Rist im Gespräch mit dem «Anzeiger».

Organisatorische Mängel

Anders tönt es von Michael Heesen: Er spricht von organisatorischen Mängeln, von fehlendem Verständnis der Spitalleitung. Schliesslich sei geplant gewesen, dass er ab Ende Oktober 2024 chronisch schmerzkranke Patienten stationär im Spital Affoltern behandle.
Allerdings habe das Spital Patienten und zuweisenden Ärzten nicht glaubhaft vermittelt, dass die Schmerztherapie eigenständig ist. Dies habe zu Ablehnungen geführt, da unklar war, ob die Therapie eine Unterabteilung der Altersmedizin ist.
Einige Ärzte schickten daher keine Patienten, da Schmerzmedizin nicht mit Altersmedizin gleichzusetzen sei.
«Leider sind die Bedenken, die ich der Spitalleitung über mehrere Wochen hinweg mitgeteilt habe, nicht berücksichtigt worden», betont Heesen gegenüber dem «Anzeiger». Ebenso seien kurzfristige Gespräche mit dem Verwaltungsrat ergebnislos geblieben.
  • Für E-Learning- und Fortbildungs-Angebote für Ärzte und Apotheker: med-cases

  • spital affoltern
  • spital
  • Schmerzmedizin
Artikel teilen

Loading

Kommentar

Mehr zum Thema

image

Interprofessionelle Visiten auf dem Prüfstand

Die Visiten werden geschätzt, aber nicht alle Beteiligten sind gleich zufrieden. Vor allem die Pflege bemängelt ihre Einbindung und sichtet Verbesserungs-Chancen. Dies zeigt eine Umfrage in Schweizer Spitälern.

image

«Der Weg aus dem Teufelskreis beginnt bei sich selbst»

Das Lausanner Universitätsspital CHUV hat eine Osteopathie-Sprechstunde. Im Interview schildert Chantal Berna Renella, wie diese Methode in der klinischen Praxis den Patienten hilft, aus Schmerzspiralen auszubrechen.

image

Spital Affoltern holt Finanz- und Betriebs-Chef vom USZ

Alexander Soland übernimmt im Januar die Rolle des CFO/COO.

image

Sparprogramme reichen nicht: Das Spitaljahr im Check

Kooperationen, weniger Angebote, effizientere Abläufe, Schliessungen, Nullrunden bei den Löhnen: Die öffentlichen Akutspitäler haben viel getan, um die Finanznot zu bekämpfen. Fazit: So geht es trotzdem nicht weiter.

image

Spitäler 2025 und 2026: Bessere Margen – aber grosse Tarif-Fragezeichen

Die Finanzchefs der Schweizer Spitäler erwarten fürs Erste eine etwas bessere Rentabilität. Zugleich sorgt das neue Tarifsystem für Unsicherheit. Die Erwartungen reichen von Mehreinnahmen bis zu spürbaren Einbussen.

image

Nach Interimsphase: Das Spital Affoltern hat eine neue CEO

Ab Anfang 2026 übernimmt Irene Christen die Nachfolge von Stefan Gyseler und Erwin Höfliger.

Vom gleichen Autor

image

Patrick Bader wird Chefarzt am Kantonsspital Glarus

Ab Oktober 2026 übernimmt Patrick Bader die Leitung der Medizinischen Klinik und des Departements Medizin am Kantonsspital Glarus. Er folgt auf Thomas Brack, der nach über 20 Jahren am KSGL in den Ruhestand tritt.

image

Schweiz lockert Regeln für Blutspender

Ab Anfang Februar dürfen in der Schweiz wieder mehr Menschen Blut spenden – darunter Personen mit früheren Transfusionen, längeren Aufenthalten in Grossbritannien oder nach bestimmten medizinischen Eingriffen.

image

PDAG: Weniger Fremdpersonal, höhere Patientensicherheit

Seit einem Jahr können Mitarbeitende der Psychiatrischen Diensten Aargau ihre Dienste flexibel gestalten – die Kosten für externe Fachkräfte sinken seither, CIRS-Meldungen gehen zurück.